Jetzt.geschichtet - Artefakte von morgen

über das Speichern von Zeit

Überall wo ich mich aufhalte, nehme ich fragmentarische Abdrücke von Gegenständen, teils in Gips, Ton oder Silikon-Abdruckmasse und fertige aus diesen „Druckstöcken“ Prägedrucke, auch Gaufrages genannt. Es handelt sich dabei um eine klassische Drucktechnik, die ich allerdings manuell vornehme um die Formen und Oberflächenstrukturen von Gegenständen in Papier zu drücken, oder mit Pulpe abzuformen.

Für eine ortsbezogene Ausstellung im Siegburger Stadtmuseum habe ich erstmals angefangen Alltagsgegenstände – weggeworfenen Dinge, die beim jährlichen Aushub des Wasser führenden Mühlengrabens zutage traten, zu „recyceln“.  Diese Fundstücke, die unsere Kultur prägten, habe ich in weichen Ton geprägt,  und die entstandenen Tonplatten als „Artefakte von morgen“ per Floss auf eine imaginäre Zeitreise in die Zukunft geschickt.

Müll, der vielleicht ähnlich vorgeschichtlicher Artefakte späteren Generationen unser Dasein dokumentiert – von der Radkappe, über das Feuerwehrschlauchventil, dem Verpackungsmaterial oder Handy.

Vergleichbar mit den, für Archäologen bedeutsamen Brunnenfunden in einem archäologischen Museum, wird man aus unseren Müllbergen lesen können, die nicht nur von den Weltmeeren global verteilt werden. Mittlerweile eins der heutigen Probleme, die scheinbar kaum noch zu beherrschen sind. Das will eigentlich niemand wirklich anpacken. So lange es nicht vor der eigenen Haustüre lagert scheint es ja nicht nötig sich damit zu beschäftigen.

Vielleicht fangen wir ja erst einmal mit einem viertel Stündchen an – cum tempore, eine 1/4 Stunde Spielraum sich aufs „Ohr zu legen“ und zu träumen, für einen kurzen Zeitsprung in die Vergangenheit oder von einer Zeitreise in die Zukunft.

Dabei geht es mir zum einen um das bewusst machen dieses Problems, und zum anderen aber auch um das Speichern von Zeit –  ähnlich einer Archivierung von Bilddateien entsteht ein Zeitportrait  – analog und ursprünglich wie historische Tonplatten, oder Schriftrollen in Pergament.

Hiermit schließt sich der Kreis für mich, denn nach den Plastischen Zeichnungen und interaktiven, ortsbezogenen Installationen und Interventionen, den skulpturalen Ereignissen, bewege ich mich künstlerisch zwar weiterhin im mehrdimensionalen Bereich, bin damit aber wieder beim Papier angekommen. Das Relief ist vergleichbar mit einer mehrdimensionalen Malerei, die ausschließlich von Licht und Schatten lebt. Wie eingefrorene Momentaufnahmen hält es die Spuren unserer Kultur fest.